Ein neuer Due Dilligence – Trend
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September 2019 | Strategie | Florenus

Ein neuer Due Dilligence – Trend

Die Due Diligence-Prüfung ist eine sorgfältige Prüfung der verschiedenen Geschäftsbereiche eines Unternehmens, und wird z.B. im Rahmen von M&A Projekten (sogenannten Merge & Acquisions) durchgeführt. Dabei ergibt sich die folgende Milchmädchen-Rechnung:
Je aufwendiger die Prüfung, desto minimaler das Risiko.
Allerdings führt nicht jede Due Diligence Prüfung zu einem erfolgreichen Abschluss, und auch nicht jeder erfolgreiche Abschluss zu langfristigem Gewinn. Um Ressourcen zu sparen und dennoch gut informierte Entscheidungen zu treffen, bedienen sich Unternehmer zunehmend der umfangreichsten Quelle für strukturierte, technische Informationen: Patentdatenbanken.

 

Stetige Zunahme der Merges & Acquisitions

Die Zahl der weltweiten M&As hat seit 1985 in Schüben beträchtlich zugenommen.

 

Merges & Acquisitions 1985-2017
Quelle: STATISTA

 

Angesichts der zunehmenden Marktvolatilität, des intensiven Wettbewerbs, der wechselnden Kundenanforderungen (z.B. aufgrund von umweltspezifischen und sozialen Faktoren) und der Beschleunigung des technologischen Wandels steigt der Innovationsdruck in vielen Branchen. M&A ermöglicht eine zeitnahe Neuausrichtung oder Ergänzung des Technologie- bzw. Produktportfolios. Merges & Acquisitions bergen allerdings auch ein gewisses Investitionsrisiko. Eine Vielzahl von Studien belegen, dass die Erfolgsquote von M&A Deals bei gerade einmal 70-90% liegt (SÖDERSTRÖM & OLSSON). Aufgrund dieser Tatsache gewinnt die Aufbereitung und Analyse der Unternehmensdaten mehr und mehr an Bedeutung.

 

Informationsbeschaffung

Insbesondere bei Buy-outs sind potentielle Käufer auf detaillierte Informationen hinsichtlich der wirtschaftlichen, technischen und organisatorischen Struktur der jeweiligen Unternehmen angewiesen. Das hat im Wesentlichen 2 Gründe: 1. Das Risiko einer Fehlinvestition zu minimieren. 2. Die spätere Rechtfertigung der Kaufentscheidung. Allerdings ist eine umfangreiche Prüfung mehrerer Geschäftsbereiche kosten- und zeitaufwendig. Die Sammlung aller relevanten Informationen erfolgt erfahrungsgemäß durch umfangreiche Fragebögen, deren Erstellung und Auswertung (externen) Experten zufällt. Bevor die Fragebögen an die betreffenden Unternehmen übersendet werden, unterzeichnen beide Seiten sogenannte NDAs (Non disclosure agreements). Dies, wie auch die Beantwortung der Fragebögen, geschieht in der Regel in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Rechtsexperten.

 

Neue Vermögenswerte & neue Möglichkeiten

Die Verschiebung des relativen Wertes verschiedener Vermögenswerte nimmt einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Due Diligence Prozess. In den letzten vierzig Jahren hat die Bedeutung des Geistigen Eigentums, und dessen Anteil an den Vermögenswerten in vielen Unternehmen, beträchtlich zugenommen.

 

tangible vs intangible Quelle: SÖDERSTRÖM & OLSSON

 

Während zuvor Markt- oder Technologie-Entwicklungen die wesentlichen Anreize für M&As bildeten, kam das Geistige Eigentum als dritte Größe hinzu. In der Folge dieser Entwicklung kommt es offenbar zu einer Sensibilisierung der Unternehmer in Bezug auf die Bewertung des Geistigen Eigentums, und dessen Implikationen für die Due Diligence Prüfung. Wie Professoren der Chalmers University of Technology in Schweden aufdeckten (IAM, Juni 2019), nutzen Unternehmer vermehrt die öffentlich zugänglichen Informationen aus Patentdatenbanken zur Bewertung der Management Qualitäten von Unternehmen. Aufgrund des steigenden Anteils an den Vermögenswerten erscheint dieser Trend durchaus einleuchtend. Es ergeben sich dabei zudem einige Vorteile gegenüber dem bisherigen Due Diligence Prozess, so kann beispielsweise eine tiefgreifende (technische) Analyse zu einem früheren Zeitpunkt angesetzt werden, da die Patentportfolio Informationen öffentlich sind, und auch kein NDA zu Einsicht benötigt wird. Verschiedene Faktoren geben dabei tiefgreifende Einblicke:

 

Allgemeine Informationen & Management Qualität
  • Wie ist das Verhältnis zwischen angemeldeten & registrierten Patenten
  • Was lässt sich über die Qualität der Patente (insbesondere der Ansprüche) sagen?
  • Wie viele aktive Erfinder sind im Unternehmen
  • Wie viele Patente werden durchschnittlich im Jahr angemeldet und welche Implikationen ergeben sich daraus für die F&E Tätigkeiten
  • Welche F&E Strategie wird verfolgt
Technologiemanagement
  • Welche technischen Gebiete werden abgedeckt und auf welchem Stand der Technik wird „aufgesetzt“
Innovationsmanagement:
  • Wie ist das Verhältnis zwischen angemeldeten & registrierten Patenten
  • Was lässt sich über die Qualität der Patente (insbesondere der Ansprüche) sagen?

Die Informationen der Patent-Due Diligence Prüfung können darüberhinaus durch Analysen des betreffenden Marktes ergänzt werden.

 

Allerdings ergeben sich bei der Beschränkung auf die Patentanalyse auch gewisse Nachteile:
  • Bewertet man beispielsweise Unternehmen mit wenigen Patenten oder Start-ups ist der sich daraus ergebende Informationsgehalt entsprechend gering.
  • Des weiteren ist die 18 monatige Frist bis zur Veröffentlichung der Patentanmeldung zu beachten.
  • Außerdem sollte man bedenken, dass nicht alle Erfolgsrelevanten Innovationen in Form von Patenten angemeldet werden. Stattdessen kann es in wenigen Branchen sinnvoll sein die jeweiligen Innovationen geheim zu halten.